Dorothea Klinnert

seit 01.01.2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Politik und Wirtschaft an der Gutenberg-Universität Mainz

 

Interessen und Forschungsschwerpunkte

Politische Theorie und Ideengeschichte, historische Genese gesellschaftlicher Institutionen und Ideologiekritik, Promotion zum Begriff der Solidarität

Politische Ökonomie und Wirtschaftstheorie

Gesundheitspolitik, vergleichende Gesundheitssystemforschung, medizinische Soziologie, Medizin- und Bioethik, Präventionspolitik

 

Publikationen

2018: Die Bundesländer als Verhandlungspartner der Krankenkassen: Zur länderspezifischen Varianz bei der Umsetzung des Präventionsgesetzes (zusammen mit Katharina Böhm), in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft (zur Publikation angenommen).

2018: Krankenkassen als Partner der kommunalen Gesundheitsförderung und Prävention. Erfolgsbedingungen der Umsetzung des Präventionsgesetzes durch die Kommunen in Nordrhein-Westfalen (zusammen mit Katharina Böhm und Jonas Weidtmann), Düsseldorf: Forschung für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V. (FGW).

2018: Die Umsetzung des Präventionsgesetzes auf Länderebene. Eine Analyse der Landesrahmenvereinbarungen (mit Katharina Böhm), in: Das Gesundheitswesen (eFirst vom 28.06.2018).

2015: Value congruence in health care priority-setting: social values, institutions and decisions in three countries (mit Claudia Landwehr), in: Health Economics, Policy and Law, 10 (02), 113-132.

 

Kontakt

Raum: GFG 04-328
Telefon: 06131-39-26105
Mail: klinnert@politik.uni-mainz.de

Sprechstundenzeit: Mittwochs 12-13 Uhr (bitte um Anmeldung via Mail), sowie individuell nach Absprache

 

Lehre im Wintersemester 2019/2010

Basisseminar "Wirtschaft und Gesellschaft" - Seminarbeschreibung siehe Jogustine

Aufbauseminar "Biopolitik" - Seminarbeschreibung:

Unter Biopolitik sollen im Rahmen des Seminars jene Formen der politischen Steuerung verstanden werden, die direkt oder indirekt auf den biologischen Aspekt des Menschseins respektive auf den menschlichen Körper zugreifen. Ausgangspunkt sind dabei die grundliegenden und den Begriff prägenden Überlegungen zur Biopolitik von Michel Foucault. Typische Bereiche biopolitischer Regulierung betreffen insbesondere die menschliche Fortpflanzung, den Umgang mit Krankheit, Behinderung und Tod sowie Möglichkeiten und Formen der Leistungssteigerung und des Bodytuning. In diesem Sinne lässt sich etwa das in einigen Kulturen bereits auf mehrere Jahrtausende zurückreichende, vielfach mit der Gesundheit des Kindes begründete Inzestverbot als frühe biopolitische Maßnahme begreifen, und auch die zur Vermeidung einer weiteren unkontrollierten Bevölkerungsexplosion implementierte chinesische Ein-Kind-Politik lässt sich als Form der Biopolitik klassifizieren. Während im Rahmen der vorgenannten die pragmatische, gewissermaßen rationale Intention die Einschränkung persönlicher Freiheitsrechte bis zu einem gewissen Grad zu rechtfertigen scheint, öffnen die rassenpolitisch begründeten Euthanasie-Programme der Nazis den Blick für die zivilisatorischen Abgründe, die sich im Zuge einer fehlgeleiteten respektive ideologisch wahnhaften „Biopolitik" aufzutun drohen.

Obschon die menschliche Zivilisation und deren unterschiedliche Gesellschaftsformen und Kulturen bereits früh von biopolitischen Regulierungen begleitet wurden, haben sich die Relevanz der entsprechenden Fragestellungen und der damit verbundene Regulierungsbedarf vor dem Hintergrund der naturwissenschaftlichen Revolutionen der jüngeren Neuzeit, d.h. Fortschritten in Medizin, Biologie, Biochemie, Genetik usw. enorm gesteigert. So stehen inzwischen zahlreiche technische Möglichkeiten zur Verfügung, in den menschlichen Organismus und dessen Reproduktion einzugreifen, was letztlich nicht nur aus individueller, sondern insbesondere aus einer kollektiven, nämlich biopolitischen Perspektive weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des Seminars die Frage im Zentrum stehen, wie die zentralen normativen Prämissen westlicher und nicht-westlicher Gesellschaften mit den globalen Herausforderungen und neuen technologischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts in Einklang zu bringen sind. Denn ob nun im Hinblick auf eine staatliche Geburtenkontrolle zur Eindämmung des exponentiellen Bevölkerungswachstums oder bezüglich der Manipulationen des menschlichen Erbguts zur Linderung individuellen Leides: Es ergibt sich stets das Bild einer komplexen Gemengelage normativer und pragmatischer Erwägungen und antizipierter Folgeeffekte, die im Subtext mit der Mahnung verbunden sind, dass nicht alles gemacht werden sollte, was gemacht werden kann. Nichtsdestoweniger erzeugt eben jene Machbarkeit in Kombination mit immer drängender erscheinenden globalen Problemlagen einen Druck des Faktischen, dem sich die Politik – und mithin auch die Politikwissenschaft – schwerlich dauerhaft entziehen können werden.

In diesem Sinne wird die Kernaufgabe des Seminars darin liegen, einen analytischen Zugang zu biopolitischen Maßnahmen in ihrem gesellschaftlichen und globalen Kontext zu erarbeiten und im Zuge dessen Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Biopolitik in Zukunft und Gegenwart aufzuzeigen. Diesem Vorhaben sind ein erhebliches Maß an gemeinsamer, aber auch individueller Begriffsarbeit zwingend vorausgesetzt. Vor diesem Hintergrund sind die Bereitschaft zu selbiger im Sinne eines genuinen Interesses am Thema, die Bereitschaft zur (selbst-)kritischen Reflexion und Deliberation sowie die Bereitschaft zum mündlichen und geistigen Engagement absolut notwendige Teilnahmebedingungen. Unter dieser Voraussetzung – und nur unter dieser Voraussetzung – sollte einem spannenden, streckenweise sicherlich fordernden und im Ergebnis hoffentlich ertragreichen Seminar nichts im Wege stehen.